Call for Papers: CELDA 2009

Juli 8, 2009

Auf Hinweis von Dirk Ifenthaler von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mache ich gerne auf die CELDA 2009 (Cognition and Exploratory Learning in Digital Age) aufmerksam. Der Call for Papers läuft noch bis zum 24. Juli und lädt zu Beitragseinreichung zu folgenden Themen ein (Auswahlverfahren über double-blind peer-review)

- Acquisition of expertise
- Assessing progress of learning in complex domains
- Assessment of exploratory learning approaches
- Assessment of exploratory technologies
- Cognition in education
- Collaborative learning
- Educational psychology
- Exploratory technologies (such as simulations, VR, i-TV and so on)
- Just-in-time and Learning-on-Demand
- Learner Communities and Peer-Support
- Learning Communities & Web Service Technologies
- Pedagogical Issues Related with Learning Objects
- Learning Paradigms in Academia
- Learning Paradigms in Corporate Sector
- Life-long Learning
- Student-Centered Learning
- Technology and mental models
- Technology, learning and expertise
- Virtual University

Weiter Informationen finden sich auf der Webseite zur Konferenz. Mal sehen, ob wir auch noch etwas einreichen werden… Danke in jedem Fall für den Hinweis!


Wolfram Alpha – eine revolutionäre Suchmaschine?

Mai 5, 2009

In einigen Wochen wird eine neue, vermutlich revolutionäre Suchmaschine mit dem Namen ‘Wolfram|Alpha’, an den Start gehen. Sie wurde unter Leitung des Mathematikers Dr. Stephen Wolfram,  Gründer des Unternehmens Wolfram Research mit seinem weltbekannten Softwareprodukt Mathematica, entwickelt.

Welche Erwartungen sich nach der ersten Vorstellung  am Berkman Center for Internet & Society der Harvard-Universität mit der neuen Suchmaschine verbinden, lassen sich an Schlagzeilen wie z.B. der eines Artikels des Independent ablesen: ‘An invention that could change the internet forever‘. Wolfram Alpha soll auf vollständige Fragen von Personen korrekte Antworten liefern können; die Suchmaschine verweist hierbei nicht mehr nur auf relevante Quellen, sondern beantwortet die Anfrage mit konkreten Ergebnissen. Wolfram Alpha greift nach silicon.de hierbei auf eine Datenbank mit wissenschaftlich überprüften Informationen zu, welche nicht nach Stichworten und Relevanz sondern basierend auf ‘Natural-Language-Algorithmen’ organisiert sind. Mit diesen Algorithmen sei die Auswertung und Zusammenstellung von Informationen gemäß unserer menschlichen Sprache möglich. Der Independent illustriert im selben Artikel das Innovationspotenzial und das Verhalten der Suchmaschine wie folgt:

The real innovation, however, is in its ability to work things out “on the fly”, according to its British inventor, Dr Stephen Wolfram. If you ask it to compare the height of Mount Everest to the length of the Golden Gate Bridge, it will tell you. Or ask what the weather was like in London on the day John F Kennedy was assassinated, it will cross-check and provide the answer. Ask it about D sharp major, it will play the scale. Type in “10 flips for four heads” and it will guess that you need to know the probability of coin-tossing. If you want to know when the next solar eclipse over Chicago is, or the exact current location of the International Space Station, it can work it out.

Stephen Wolfram kündigt die Veröffentlichung von Wolfram|Alpha in seinem Blog wie folgt an:

Some might say that Mathematica and A New Kind of Science are ambitious projects. But in recent years I’ve been hard at work on a still more ambitious project—called Wolfram|Alpha. And I’m excited to say that in just two months it’s going to be going live. (…) It’s going to be a website: www.wolframalpha.com. With one simple input field that gives access to a huge system, with trillions of pieces of curated data and millions of lines of algorithms. (…) I think it’s going to be pretty exciting. A new paradigm for using computers and the web. That almost gets us to what people thought computers would be able to do 50 years ago!

Ich bin gespannt, wenngleich Google sich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen lassen wird… (vgl. Google fährt Wolfram Alpha in die Parade).


Forschungswerkstatt: Übertragbarkeit des Pattern-Ansatzes in die Didaktik?

Mai 1, 2009

Am 24. und 25.04.09 hatte ich die Möglichkeit, an der Forschungswerkstatt von Prof. Peter Baumgartner in Wien zur Frage der Übertragbarkeit des Pattern-Ansatzes von Christopher Alexander in die Didaktik (=> didaktische Entwurfsmuster) teilzunehmen. Prof. Baumgartner hat hierzu schon einen ausführlichen Bericht auf seinem Portal Gedankensplitter zur Verfügung gestellt.

Zunächst muss ich sagen, dass die euphorische Darstellung des Verlaufs der Forschungswerkstatt von Prof. Baumgartner durchaus nicht übertrieben ist – ich habe selbst wenige Veranstaltungen erlebt, in denen über einen längeren Zeitraum (mehrere Stunden) eine derart besondere, aktive, analytisch-kreative Atmposhäre herrschte, wie am zweiten Tag der Zusammenkunft – in der Tat ein ‘Flow’-Erlebnis, das wir als Gruppe erleben konnten. Eine der Voraussetzungen hierfür war – trotz deutlicher Kritk am Pattern-Ansatz von Christopher Alexander und seinen 15 properties of wh0leness aus pädagogischer, psychologischer, philosophischer und methodologischer Sicht – die durch Prof. Baumgartner motivierte Bereitschaft für den Versuch einer Übertragung der 15 properties in die Didaktik. Der Gedankenaustausch, der sich hier frei entfaltete, um Formulierungen und Verständnis ringend, beständig Theorie und pädagogische Praxis miteinander abgleichend, wurde von allen Teilnehmenden als fruchtbar und bereichernd erlebt.

Bei den 15 properties of wholeness handelt es sich um geometrische Struktureigenschaften, die sich nach Alexander in allen als lebendig und ganzheitlich erfahrbaren Strukturen (z.B. in vielen Pänomenen der Natur) wiederfinden. Diese 15 Eigenschaften sind zugleich als strukturerhaltende Transformationen zu verstehen, die zur Entfaltung der ganzheitlichen Strukturen führen. Die 15 properties of wholeness lauten:

  1. Levels of Scale
  2. Strong Centers
  3. Thick Boundaries
  4. Alternating Repetition
  5. Positive Space
  6. Good Shape
  7. Local Symmetries
  8. Deep Interlock and Ambiguity
  9. Contrast
  10. Gradients
  11. Roughness
  12. Echoes
  13. The Void
  14. Simplicity and Inner Calm
  15. Not Separateness

Erläuterungen mit Beispielen zu den 15 Struktureigenschaften finden sich beispielsweise unter http://www.livingneighborhoods.org/ht-0/fifteen.htm.

Grundlegend für unseren explorativen Übertragungsversuch war die (noch zu begründende) Annahme, dass die 15 Struktureigenschaften analog zur Architektur auch in der Didaktik zu lebendigen, ganzheitlichen bzw. kohärenten (didaktischen) Strukturen führen. Vor der Forschungswerkstatt dokumentierte Prof. Baumgartner in einem Weblogeintrag einen ersten Übertragungsversuch der ersten 6 Struktureigenschaften Alexanders. Am zweiten Tag der Forschungswerkstatt vertieften wir diesen Versuch und erkundeten mögliche Entsprechungen in der Didaktik in zeitlicher, räumlicher, sozialer und inhaltlicher bzw. materialbezogener Sicht.

Nachdem ich am ersten Tag nach verschiedenen Diskussionen akzeptiert hatte, dass Alexander scheinbar keine klaren Definitionen der 15 Struktureigenschaften bereithält (z.B. um Fragen zu klären wie z.B. was unter einem Zentrum eigentlich genau zu verstehen ist, oder wodurch sich ein starkes von einem schwachen Zentrum unterscheidet etc.), ließ ich mich einfach mal auf das weitere Vorgehen ein. Der Gedankenaustausch unseres Übertragungsversuchs war dann – wie oben beschrieben – sehr interessant und anregend. Am stärksten hatte mich persönlich das Strukturmerkmal ‘Positive Space’ angesprochen: Was könnte dieses Merkmal auf die Didaktik übertragen in zeitlicher, räumlicher, sozialer und inhaltlicher Hinsicht alles bedeuten? Zeitlicher Freiraum, der analog zu den Pausen in der Musik nicht einfach Leerraum, sondern gestalteter Raum ist? Unterschiedliche freie Lernräume und -umgebungen, die mehr dem informellen, explorativen, selbstorganisierten Lernen und Arbeiten oder der Erholung dienen (z.B. Erfahrungsräume für Erkundungen, Praktika, Projektarbeiten außerhalb der Schulhauses bzw. der Bildungsinstitution oder auch der Freizeitraum mit dem Kaffeeautomaten, die Bibliothek)? Sozialer Freiraum, der neben der dichten sozialen Interaktion bei Plenums-, Gruppen- oder Tandemarbeit auch Rückzugsmöglichkeiten für das individuelle Arbeiten, Lernen, Reflektieren, Entspannen ermöglicht; ebenso auch soziale Interaktionsmöglichkeiten im formellen Bildungsraum für eher persönliche Interessen (Freundschaften, Cliquen, Beratungslehrer, Tutoren)? Inhaltliche Darstellungen,  Materialien und Aufgaben, die denkerischen Freiraum, Kreativität, unterschiedliche Verarbeitungs- und Reflexionstiefe zulassen? Während dieses Prozesses hatten wir zunehmend den Eindruck, dass die anhand der Strukturprinizipien Alexanders zusammengetragenen Gestaltungsaspekte didaktischer Strukturen durchaus bedeutsam für deren besonderer Qualität sein könnten. Ob diese dann auch praktisch, d.h. für die am Lehr-Lernprozess beteiligten Personen, zu einer erlebbaren Quality Without A Name führt, ist allerdings fraglich (QWAN steht nach Alexander für eine intersubjektiv erfahrbare, ganzheitliche und nicht definierbare besondere Qualität lebendiger kohärenter Strukturen).

Ich muss zugeben, dass ich mich bisher nur peripher mit Christopher Alexander beschäftigt habe, wozu vor allem diese Forschungswerkstatt Anlass geboten hatte. Trotz Gedankenfeuerwerk und Flow-Erlebnis – sicherlich auch aufgrund meiner bisher geringen Kenntnisse des Werks Alexanders: Es sind noch viele Fragen offen.

Wie komme ich zu einem wissenschaftlichen Diskurs über Begriffe (15 properties of wholeness), die nicht exakt definiert werden können? In welcher Weise wurden die 15 Strukturmerkmale Alexanders gewonnen, in welcher Relation stehen diese zueinander, wie wird deren Vollständigkeit beansprucht oder nachgewiesen, warum sollten diese als geometrische Struktureigenschaften auf zeitliche, soziale und materialbezogene (didaktische) Strukturen und Prozesse übertragbar sein? Mit welcher Begründung? U.v.a.m. Und dennoch: Irgendwie hat man dennoch das Gefühl, dass bei der Beschäftigung mit dem Pattern-Ansatz und den Strukturmerkmalen Alexanders auch für die Didaktik interessante Ergebnisse gefördert werden könnten. Ist aber auch nur ein Gefühl… Ob das den anderen auch so geht? ;-)


Mit Netvibes Lernumgebungen gestalten

April 19, 2009

Aktuell erarbeite ich einen Lernpfad für die Lehrerfortbildung zur Gestaltung von Lernumgebungen mit Netvibes und bin wieder einmal absolut begeistert von den Möglichkeiten, die solche personalisierbaren Homepage-Dienste leisten.

“Founded by Tariq Krim in 2005, Netvibes pioneered the personalized homepage as alternative to traditional web portals. Netvibes lets individuals assemble their favorite widgets, websites, blogs, email accounts, social networks, search engines, instant messengers, photos, videos, podcasts, and everything else they enjoy on the web – all in one place.” (http://about.netvibes.com)

Mit Hilfe sogenannter Widgets (kleine Ajax basierte Applikationen, die in skalierbaren Rechtecken angezeigt werden), lassen sich per Drag and Drop unterschiedlichste Dienste auf persönlich gestaltbare Webseiten ziehen und sehr einfach konfigurieren. Häufig verwendete Widgets sind z.B. Webnotiz, Checkliste, Kalender, Mail, RSS-Feeds, HTML-Block (damit können z.B. beliebige Webseiten, Videos, Bilder und Podcasts unterschiedlicher Anbieter eingebunden, angezeigt bzw. abgespielt werden) und Nachrichtendienste. Zudem kann man nach dem Login nicht nur eine Webseite, sondern über das Anlegen von Reitern (Tabs) eine ganze Reihe von Webseiten gestalten und über die Veröffentlichungsfunktion über eine eigene URL KollegInnen und SchülerInnen zur Verfügung stellen: Die ideale Möglichkeit, um  Lernumgebungen für den Unterricht vorzubereiten bzw. mit den SchülerInnen persönliche Lernumgebungen (kurz auch PLE = Personal Learning Environment) zu gestalten.

Veröffentlichte Seiten (auch Universe genannt) und verfügbare Widgets (aktuell 180617) lassen sich über das Netvibes Ecosystem recherchieren. Meine öffentlichen Netvibes-Seite, die ich speziell für den Lernpfad gestaltet wird, ist hier erreichbar.

Wie könnten solche Seiten/Universes methodisch für den Unterricht genützt werden? Ein paar Ideen:

  • Stationenlernen: Tabs sind die Stationen und die SchülerInnen müssen die Stationen mit Material und Aufgabenstellungen durchlaufen
  • Begleitmaterial/Präsentationsmaterial für Referate: SchülerInnen erstellen zu ihrem Referat eine öffentliche Netvibes-Seite, mittels der die Präsentation (z.B. via Slideshare) oder Zusammenfassungen/Skripte (z.B. via Scribd) auf einer Webseite zur Verfügung gestellt und ggf. durch weitere Ressourcen (Webseiten, Nachrichten, Podcasts, Vidoes) ergänzt werden.
  • Hilfe-Seiten für Freiarbeitsphasen, Wochenplanunterricht, selbstgesteuertes Lernen: Es lassen sich Tutorials, unterstützendes Material, Hilfestellungen vorbereitend vom Lehrer oder MitschülerInnen flankierend für Unterricht und Hausaufgaben bereitstellen und (ggf. auch nur über 1-2 PCs im Klassenzimmer) nutzen.
  • Lernumgebungen zur individuellen Förderung: SchülerInnen richten mit Unterstützung der Lehrkraft ihre PLE für den Fachunterricht ein. Die Lehrkraft kann Tipps für geeignetes Förder-, Übungs- oder Spielmaterial über ihre öffentliche Seite geben; die entsprechenden Tabs/Widgets können dann von den SchülerInnen über einen Klick in Ihre persönliche Lernumgebung übernommen werden. So lassen sich z.B. Online-Übungen, Online-Tests, Online-Spiele u.v.a.m. zur individuellen Förderung für SchülerInnen zusammenstellen. Hierzu benötigen LehrerInnen dann Infos zu frei verfügbaren Online-Schätzen wie z.B. der Seite und Übungsanwendung von Arndt Brünner zum Trainieren der Polynomdivision. Einfach genial!
  • … ?

In 10 Jahren spricht niemand mehr über die heutigen Lernplattformen

April 5, 2009

Diese These findet sich unter 9 weiteren in einem Beitrag von Werner Hartmann (PH Bern) in der Zeitschrift Folio für Lehrkräfte in der Berufsbildung  (Ausgabe 6/08).  Auf diese Quelle bin ich über ein Posting von Visvanath Ratnaweera im Pädagogischen Forum von moodle.org gestoßen.

Hartmanns 10 Thesen, die er u. a. auf den BECTA Summary Report September 2008 und den Horizon Report 2008 gründet, lauten:

1. In wenigen Jahren ist das Internet die Festplatte.
2. In wenigen Jahren kommen die meisten Programme aus der “Steckdose”.
3. In zehn Jahren spricht niemand mehr von den heutigen Lernplattformen.
4. Notebooks in Schulen sind in fünf bis zehn Jahren Alltag.
5. Schulen ans Netz? In wenigen Jahren sind alle Schülerinnen und Schüler permanent im Netz.
6. Die Informationsbeschaffung wird sich nochmals massiv verändern.
7. In wenigen Jahren ist die Wikipedia allgemein akzeptiert.
8. Die Schule der Zukunft wird weniger textlastig sein.
9. Gedruckte lehrmittel sind zu teuer und werden durch elektronische abgelöst.
10. Es geht alles viel schneller, als man denkt. Aber vieles bleibt auch beim Alten.

Ich halte diesen Artikel in jedem Fall für lesenswert, auch wenn einige dieser Thesen nicht wirklich neu oder überraschend sind. Natürlich lassen solche Statements wie die These Nr. 3 aufhorchen, insbesondere da wir uns momentan intensiv mit Schulungs- und Unterstützungsmaßnahmen zur Integration von Moodle in oder begleitend zum Unterricht beschäftigen und uns momentan nicht vorstellen können oder wollen, dass in einigen Jahren niemand mehr von Moodle spricht…


Linkliste zum Themenbereich Live-Online Collaboration

November 30, 2008

Eindrucksvolle und sehr hilfreiche Linkliste zum Themenbereich Live-Online Collaboration von Matthias Rückel auf seinem ebenso lesenswerten Live Online Collaboration Blog.


HeyMath! – interaktive Selbstlernmodule für Mathematik

November 22, 2008

Mit CBTs/WBTs bzw. interaktiven Selbstlernmodulen hatte ich mich schon vor ein paar Jahren intensiver beschäftigt. Gelegenheit war hierzu auch im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der E-Learning Abteilung der Audi AG Ingolstadt mit Vertretern des Bayerischen Realschulnetzes (BRN) von 2003-2004. Es wurde ein Pilotmodul zum Rechnen mit Größen (Zielgruppe: SchülerInnen der Jahrgangsstufe 5-6) auf den Weg gebracht, bei dem mein Kollege Albert Graßl und ich das Ziel verfolgten, das Lernmodul nach Ansätzen des situierten Lernens (v.a. mit dem Fokus auf authentischen Problemsituationen) zu gestalten. Vorbild hierbei waren uns die im Rahmen der Fortbildungsinitiative Sinus-Transfer vertraut gewordenen – m.E. bis heute beispielgebenden – problemorientierten Lernumgebungen der schweizer Mathematikbuchreihe mathbu.ch bzw. Zahlenbuch 5 und 6. Um einen situierten und für die Zielgruppe attraktiven Kontext für das Rechnen mit Größen zu geben, wählten wir die Welt des Circus Krone und bearbeiteten entsprechend das gleichnamige Lernmodul. Implementiert wurde das Modul von uns mit Hilfe des Autorensystems LearnCube von X-Pulse, das uns im Rahmen des Kooperationsprojektes mit Audi zur Verfügung gestellt wurde. Nach technischen Anpassungen sind die Lernmodule Rechnen mit Länge, Masse, Zeit und Geld sowie das übergreifende Modul zum Circus Krone wieder auf der Moodle-Plattform des BRN verfügbar (Dank hier besonders an Martin Loder vom BRN!).

Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir schon damals intensiv unter uns Kollegen und gemeinsam mit den SpezialistInnen der E-Learning Audi AG Ingolstadt über die Herausforderung der ‘Wissensvermittlung’ (z.B. über animierte Seiten die Inhalte fachdidaktisch gekonnt vor des Lerners Auge zu entwickeln) diskutierten. Es dominierte die rein contentzentrierte Sicht auf das Lehren und Lernen und das Format WBT/CBT als die Form elektronisch unterstützten Lernens. Zudem wurde damals m.E. die Hürde nicht genommen, die Inhalte wirklich vor (und mit) dem Lerner zu entwickeln statt diese im Wesentlichen vorzugeben und mit Übungen zu garnieren.
Heute habe ich natürlich einen ganz anderen Blick auf unsere Arbeiten von damals, wie auch ein stark verändertes Verständnis von sinnvollem Einsatz, Effizienz und Effektivität solcher WBTs/CBTs/Selbstlernmodule. Kategorien wie Lernaktivitäten, Kooperation, Kommunikation, Reflexion, Betreuung waren damals bzgl. technologieunterstützten Lehrens und Lernens noch nicht in unserem Horizont …

Für den schulischen Einsatz habe ich aber kürzlich ein Angebot von Selbstlernkursen/WBTs gesehen, das mich – trotz mittlerweile eher kritischer Haltung – überzeugt hat: HeyMath! Einfach gut – unbedingt Demozugang besorgen und reinsehen! Hier können auch Lehrer noch lernen…


Potentiale des vernetzten Lernens für neue Lernkultur nutzen

Oktober 30, 2008

Lesenswertes Interview mit Max Woodtli (Dozent für Berufs- und Medienpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Thurgau) aus dem kanti-bulletin der Kantonsschule Frauenfeld (Ausgabe 02/2008) zur Einschätzung der Chancen und Grenzen von E-Learning in der Schule (via zugehörigem Blogeintrag auf eLearn.ch)

Auszug zur Frage nach der “Todsünde” im Zusammenhang mit E-Learning:

Wenn E-Learning (nur) als eine möglichst gute Abbildung von Präsenzlernen verstanden wird, befürchte ich, dass das mögliche Potential, das im digitalen Lernraum liegt, nur ansatzweise ausgeschöpft wird. Anders gesagt: Wenn man E-Learning nur mit dem Ziel betreibt, die Belehrungskultur zu perfektionieren, statt die Potentiale eines vernetzten Lernens dahin zu nutzen, eine neue Lernkultur zu etablieren, dann hat man in meinen Augen die „Todsünde“ Nummer eins begangen.


Online learning design for dummies

Oktober 29, 2008

Ein zwar ein schon älterer Artikel aus dem Jahre 2002 von Ron Oliver und Jan Herrington (Edith Cowan University, Australia) mit dem Titel ‘Online learning design for dummies’ , den ich aber nachdrücklich zur Lektüre empfehlen möchte. Auch aus eigener Erfahrung kann ich die Beobachtung von Olivier und Herrington bestätigen, dass wir Lehrkräfte häufig darauf fixiert sind, unseren Unterricht vorwiegend anhand der zu vermittelnden Inhalte zu konzipieren. In anderen Worten gesprochen dominieren häufig die unterrichtlichen Planungsdimensionen der Inhalte (und vielleicht noch der Ziele). Bescheiden formuliert verweisen Oliver und Herrington gerade für das Design effektiver Onlinekurse (was m.E. ebenso für zahlreiche Settings in Präsenzkursen gelten könnte…) auf die Notwendigkeit alternativer Planungsdimensionen. Grundlegend für diese wird von einem veränderten Rollenverständnis der Lehrenden und nicht zuletzt von einem konstruktivistischen Lehr-Lernverständnis ausgegangen, das nach Oliver/Herrington vor allem für den Hochschulkontext besondere Eignung besitzt:

In designing effective online learning materials, perhaps the most important first step is to create a role
for the teacher as one of coaching and scaffolding as an alternative to the more commonly used didactic forms of teaching (…)

Instead of providing and delivering information, the lecturer’s principal function is to
create collaborative, challenging and supportive learning environments within which the learner operates.
(Oliver, Herrington 2002, 2)

Als didaktische Planungsdimensionen zur Konzeption von Online-Lerneinheiten (oder in ihren Worten gesprochen – als learning design elements) werden aufgeführt:

  • learning tasks: The activities, problems, interactions used to engage the learners and on
    which learning is based
  • learning resources: The content, information and resources with the underpinning knowledge
    and with which the learners interact
  • learning supports: The schedules, scaffolds, structures, encouragements, motivations,
    assistances and connections used to support learning
    (ebd., 2).

Anhand dieser Planungsdimensionen schlagen Oliver/Herrington eine 6-Stufen-Modell zur Konzeption von Online-Kursen bzw. -Lerneinheiten vor, das ihrer Erfahrung nach vor allem Einsteigern im Instructional Design/Learning Design bzw. Lehrkräften ohne Erfahrung im Online-Kursdesign eine wichtige Hilfe ist.

  1. Plan the intended learning outcomes
  2. Plan the learning tasks
  3. Choose assessment strategies
  4. Plan resource needs
  5. Plan support strategies
  6. Plan the organization strategy for the online materials (ebd, 3)

Bemerkenswert auch der Hinweis, dass bei der Planung der learning tasks nicht der zu vermittelnde Inhalt im Blick stehen sollte, sonder nur die zu erreichenden Ziele bzw. Zielkompetenzen.

The critical factor in planning the learning design is to consider activities that are independent of the learning resources. It is important when planning the design not to be concerned with the content and resources and to see these as completely independent elements in the design process (ebd, 4).

Ich denke, dass uns Oliver und Herrington mit diesem Papier gerade für die Lehrerfortbildung ein wichtiges Denk- und Rahmenmodell zur Konzeption von Online-Kursen zur Verfügung stellen. Und vielleicht ja nicht nur für die Konzeption von Online-Kursen…

Oliver, R.; Herrington, J. (2002). Online learning design for dummies: professional development strategies for beginning online designers. In P. Barker & S. Rebelsky (Eds.), Proceedings of ED-MEDIA 2002, World Conference on Educational Multimedia, Hypermedia and Telecommunications. Norfolk, VA: AACE, (pp 1500-1505).


ETEC510: Design Wiki

Oktober 27, 2008

Eigentlich per Zufall bin ich auf dieses Wiki (http://design.test.olt.ubc.ca/Main_Page) gestoßen, das mir als begleitende Arbeit von Studierenden im Kurs ‘Technology-enhanced Learning Environments’ im Rahmen eines Studiengangs an der University of British Columbia einen sehr guten Eindruck machte. Studierende sollen hier während ihres Kurses arbeitsteilig Artikel zu kursrelevanten Themen wie z.B. Lehr-Lerntheorien, Instructional-Design-Ansätze etc. erarbeiten und über das verwendete MediaWiki (nach dem Vorbild von Wikipedia) bereitstellen. Die StudentInnen der jeweils nachfolgenden Kurse arbeiten dann an den Seiten des jeweils vorausgegangenen Kurses weiter, vervollständigen diese, korrigieren, aktualisieren, reichern mit Grafiken/Bildern an usw. Als Begründung für dieses methodische Vorgehen wird unter der Seite angegeben:

The Media/Education/Design wiki is a writing space where students of ETEC510 will engage actively, over the duration of one semester, with the twin goals of learning and communication in a publication medium that affords editing, linking, and dialogue as persistent and critical elements in the production of useful knowledge. The Media/Education/Design wiki will take the form of an online set of entries that follow the standard Wikipedia encyclopedia entry genre. Our primary model for wiki entries will be Wikipedia.

Neben den zahlreichen Artikeln, Informationsressourcen und wertvollen Literaturhinweisen, auf die ich natürlich gerne zurückgreife, stelle ich mir allerdings die Frage, warum dieses Wiki nicht zur Bearbeitung für die gesamte Webgemeinde freigegeben ist:

Only current and former students of ETEC510 have access to author in this space. Others on the Internet are free to access the Design Wiki on a read-only basis.

Nun ja, das Prinzip der kollaborativen Text-/Informationsproduktion (inkl. Diskussion und Konsensfindung) mit Hilfe eines Wikis kann auch schon mit 2 TeilnehmerInnen je Artikel erfahren werden. Entspricht hinsichtlich der Schreibrechte also dem didaktischen Setting eines Wikis innerhalb einer Lernplattform, hinsichtlich der Leserechte jedoch einem öffentlichen Wiki im Netz. Sicherlich eine sinnvolle Zwischenlösung, um den Pflegeaufwand eines Wikis zu begrenzen, zugleich aber die Motivation der Studierenden zum gewissenhaften Arbeiten – da öffentlich zugänglich -  zu erhöhen. Nur die Angabe der Autorenschaft der Artikel passt nicht so recht in das Wiki-Konzept…

Dennoch tolle Seite mit vielen hilfreichen Informationsressourcen!